Arbeitgeber und Gewerkschaften warnen jedoch, dass die Mindestgrundlöhne unverändert bleiben und Anreize für junge Menschen fehlen, in der Baubranche zu arbeiten. Darüber hinaus stellen sie fest, dass die Öffnung des Marktes für andere Länder auch ein Problem darstellt. Im Bausektor arbeiten 67.500 Menschen, aber die größten Herausforderungen sind, dass die Erwerbsbevölkerung rapide altert, die Arbeit anspruchsvoll ist, die Löhne nicht ermutigend sind und die Wertschöpfung in diesem Sektor eine der niedrigsten in Slowenien ist. Beide Zahlensätze zeigen die großen Unterschiede zwischen den Branchen im Umfang der Tarifbindung. Die öffentliche Verwaltung hat den höchsten Anteil an Tarifbeschäftigten (98 % auf der Grundlage der IAB-Zahlen und 99 % auf der Grundlage der Einkommensstruktur), während Information und Kommunikation den niedrigsten (20 % auf beiden Zahlensätzen) aufweisen. Im verarbeitenden Gewerbe, einem Schlüsselbereich der deutschen Gewerkschaften, liegt die Tarifbindung zwischen diesen beiden Extremen: 56 % der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe sind Gegenstand von Tarifverhandlungen über die IAB-Zahlen und 43 % der Einkommensstruktur. Betriebsräte können auch über Bereiche verhandeln, die unter Tarifverträge fallen, in denen der Vertrag selbst eine sogenannte “Öffnungsklausel” enthält, die es dem Betriebsrat ausdrücklich ermöglicht, über das Thema zu verhandeln. Ab 2020 wird der monatliche Mindestlohn ohne Boni auf 700 Euro netto steigen. Dies folgt auf die Erhöhung des Mindestlohns 2019 auf 667 € (ab 638 € netto).

Das deutsche Tarifsystem ist unter Druck geraten, da die Abdeckung von Tarifverträgen auf Branchenebene gesunken ist. Die IAB-Zahlen zeigen, dass der Anteil aller Arbeitnehmer in Westdeutschland, die von Branchenvereinbarungen betroffen sind, von 70 % im Jahr 1996 auf 49 % im Jahr 2018 gesunken ist. Betrachtet man nur den privaten Sektor, so sank der Prozentsatz von 66 % auf 44 %. In Ostdeutschland ist die Situation im gleichen Zeitraum erheblich schlechter, von 56 % auf 35 % für alle Beschäftigten und von 48 % auf 28 % für die Beschäftigten im privaten Sektor. [6] Der Mindestlohn für die ungelernten Bauarbeiter wird um 35 Cent auf 12,55 Euro pro Stunde steigen. Zudem wird der sogenannte Mindestlohn 2 (für Facharbeiter), der für die westdeutschen Staaten und Berlin gilt, um 20 Cent erhöht. In Westdeutschland beträgt der Mindestlohn 2 15,40 Euro pro Stunde und in Berlin 15,25 Euro. Der neue, höhere Mindestlohn läuft bis Ende 2020 Oskar Komac, Sekretär der Gewerkschaft der Bauarbeiter (SDGD), erklärte, dass zwar Änderungen des Lohnsatzes die Situation der Arbeitnehmer verbessern würden, die Forderung der Gewerkschaft, der niedrigste Grundlohn zum Mindestlohn zu werden – was eine 100-prozentige Erhöhung bedeuten würde – von den Arbeitgebern jedoch nicht akzeptiert werde. Das bedeutet, dass es immer noch eine große Kluft zwischen dem, was das Unternehmen seinen Mitarbeitern zahlt, und dem Mindestlohn gibt. Die Gewerkschaften sind auch besorgt über Sozialdumping, da Bauarbeiter oft aus ländern importiert werden, in denen die Löhne noch niedriger sind. Stattdessen sind tarifliche Verhandlungen auf Branchenebene zwischen einzelnen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden nach wie vor die zentrale Bühne für die Festlegung von Löhnen und Bedingungen in Deutschland. Getrennte Vereinbarungen zwischen Gewerkschaften und bestimmten Unternehmen sind weniger verbreitet, obwohl es einige Ausnahmen gibt (z.

B. die Vereinbarung über den Automobilkonzern Volkswagen), und sie sind häufiger in der ehemaligen DDR zu finden (siehe unten). Auf anhaltenden Druck der Gewerkschaften hin gilt in Deutschland seit dem 1. Januar 2015 ein Mindestlohn, obwohl Tarifverträge auf Branchenebene, die weniger als den Mindestlohn zahlen, bis zum 1. Januar 2017 gültig bleiben.